„Draußen in der Hardt im Revier Dornhau des Pleidelheimer Waldes ist „s`Mädeles Grab“.“ so schreibt Thomas Bauser 1935 in der „Geschichte von Rielingshausen“. Der Überlieferung nach erwartete eine Bauernmagd aus Kleinbottwar von ihrem Bauern ein uneheliches Kind. Als sie hochschwanger von Backnang zurückkam, wo sie Sachen für das noch ungeborene Kind gekauft hatte, lauerte ihr der Bauer im Wald auf und erschlug die Frau.

Und weiter ist zu lesen: Eine Gruppe von Tannen und eine alte Eiche trugen 1935 bereits vernarbte Kreuze an den Stämmen. Heute steht nach dem Sturm Lothar 1999 nur noch die alte knorrige Eiche mit dem vernarbten Kreuz im Stamm, das an den Mord erinnert. Es ist groß wie ein junger Mensch und noch heute gut zu sehen.

 

Im Jahre 2007 brachten drei Mitglieder des Heimat- und Museumsvereins Rielingshausen e.V., der ehemalige Ortsvorsteher Eberhard Ruoff, Günter Trefz und Ewald Wildermuth eine Erinnerungstafel bei der alten Eiche am Mädelesgrab an. Der Weg dorthin führt über einen Trampelpfad.

 

Schon vor Corona hatten Eberhard Ruoff und Brigitte Wolf den Gedanken sich um die Aktualisierung der Schilder zu kümmern. Zwischenzeitlich hatte die Vereinsvorsitzende Chris Scheuing-Bartelmess sich des Projektes angenommen und mit den Verantwortlichen gesprochen. Sie wollte die alte Tafel erhalten und eine zusätzliche Tafel mit geschichtlichem Hintergrundwissen anbringen. Die neue Informationstafel soll helfen die Zeit von 1836 besser verstehen zu können. „Ein uneheliches Kind war damals einer der größten Makel, die einer Frau passieren konnten, es war eine andere Zeit“, so der Marbacher Stadtarchivar Albrecht Gühring, der mithalf und die Informationstafel soziokulturell vorbereitete.

 

In einer alten Bibel einer Bauersfamilie aus Rielingshausen, die heute im Stadtarchiv in Marbach lagert, ist mit Federkiel handschriftlich im Buch Sirach notiert: „ … den 4. September 1836 Totgeschlagen Gottliebe Cathrena Bäure Leichttext 18.19 Verst … eingestand 26. Februar 1837“. Waren es davor mündlich überlieferte Schauergeschichten, war mit diesem Eintrag in der Bibel aus Rielingshausen, ein schriftlicher Beweis gefunden worden. Paul Hild, brachte den handschriftlichen Eintrag in Zusammenhang mit dem Mädelesgrab und recherchierte in Kirchenbücher weiter. Er wurde fündig und berichtete im Ortsbuch von Rielingshausen 1973 darüber. Heute ist der Mord geschichtlich aufgearbeitet. Catharina Elisabetha, geboren am 11. März 1805, Tochter des Eberhard Gottfried Bauer wurde am 4. September 1836 ermordet. Ihre Gebeine wurden am 26. Februar 1837 gefunden. Der Mörder Johann Gottlieb Bauer, geboren am 13. Februar 1813 kam am 10. Juli 1838 für 18 Jahre ins Zuchthaus, wo er am 21. Dezember 1848 im Zuchthaus Gotteszell in Schwäbisch Gmünd starb.

 

Bürgermeister Trettner von Pleidelsheim unterstützt das Vorhaben, das Mädelesgrab liegt auf Pleidelsheimer Gemarkung und der Revierförster Weis steht zwecks Waldschutz beratend zur Seite. Der Heimat- und Museumsverein bedankt sich auch bei Jürgen Frank aus Aspach für seine Recherchen, die er zur Verfügung gestellt hat.